„Lass mal, das ist nichts für Kinder!“ - „Das kannst du noch nicht!“
Der Begriff Adultismus leitet sich von dem lateinischen Wort „adultus“ (erwachsen) ab und bezeichnet das ungleiche Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern, das die Gesellschaft, aber auch die direkten Beziehungen (z. B. im pädagogischen Handeln) durchzieht. Adultismus beruht auf der gesellschaftlichen Herstellung von Differenz entlang der Kategorie Alter. Dabei geht es nicht um mögliche Unterschiede zwischen einer jüngeren und einer älteren Person. Vielmehr steht im Zentrum, wie Kind-Sein und Erwachsen-Sein definiert und aus der Perspektive der Erwachsenen bewertet wird.
Adultismus ist überwiegend in der Konstellation Erwachsener – Kind zu beobachten. Er kann aber auch zwischen älteren und jüngeren Kindern auftreten, wenn beispielsweise ältere Kinder Befehle an jüngere geben oder über sie bestimmen.
Adultismus ist eine Diskriminierungsform
„Wenn Erwachsene davon ausgehen, dass sie intelligenter, reifer, kompetenter als Kinder und Jugendliche sind und daher über junge Menschen ohne deren Einverständnis bestimmen können, dann ist das Adultismus“ (NCBI 2004, S.10).
Insbesondere pädagogische Beziehungen sind per se durch ein Machtungleichgewicht geprägt. Gerade hier ist das Thema Macht jedoch mit unangenehmen Vorstellungen und Gefühlen verbunden, wollen pädagogische Fachkräfte den Kindern doch auf Augenhöhe begegnen. Ein reflexiver und verantwortungsvoller Umgang mit Macht kann helfen, adultistische Diskriminierung zu vermeiden.
Es ist wichtig, Adultismus im pädagogischen Alltag zu erkennen und zu benennen. Die Reflexion von selbst erlebtem Adultismus ist meist ein wichtiger erster Schritt. In Bezug auf die eigene Einrichtung können darüber hinaus folgende Überlegungen zur Reflexion anregen:
- Wer stellt bei uns die Regeln auf?
- Wer kann Regeln in Frage stellen?
- Wer entscheidet was?
- Wer hat Zugang zu welchen Informationen, Räumen, Schränken, Materialien?
Zudem kann es hilfreich sein, das eigene Handeln gegenüber einem Kind zu hinterfragen: „Würde ich mich in einer vergleichbaren Situation einer erwachsenen Person gegenüber genauso verhalten? Würde ich das Gleiche sagen, mit diesen Worten und in diesem Tonfall?“ (DRK, 2024, S.8).
Quellen und Texte zur Vertiefung:
-
Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V. (2020). Adultismus – Auseinandersetzung, Auswirkungen und Verwobenheit. Themenblatt. Verfügbar unter: https://awo.org/projekt/devi/
- DRK Deutsches Rotes Kreuz e. V. (2024). Was MACHT was?! Modul MACHTvoller Einstieg. Verfügbar unter: https://drk-wohlfahrt.de/fileadmin/DRK-Wohlfahrt.de/02-Themen/Kinder-Jugend-Familie/Kinder/Demokratie-Leben/Curriculum__Was_macht_was/1._Was-MACHT-was-MACHTvoller-Einstieg.pdf
- Knauer, R. & Hansen, R. (2010). Zum Umgang mit Macht in Kindertageseinrichtungen. Reflexionen zu einem häufig verdrängten Thema. In: TPS 8/2010. Verfügbar unter: https://www.partizipation-und-bildung.de/pdf/Knauer_Hansen_Macht.pdf
- NCBI Schweiz & Kinderlobby Schweiz (2004): Not 2 young 2 – Alt genug um. Rassismus und
- Adultismus überwinden. Schaffhausen: K2-Verlag.
- Richter, S. (08.2013) Adultismus: die erste erlebte Diskriminierungsform? Theoretische Grundlagen und Praxisrelevanz. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_richter_2013.pdf




