Sprache & Kommunikation
27.03.2026
Chancen für alle!
Sprachliche Vielfalt und Bildungssprache
Chancen für alle! Sprachliche Vielfalt und Bildungssprache (AT)
Die aktuelle bildungspolitische Diskussion um verbindliche Sprachstandserhebungen im Elementarbereich wirft zentrale Fragen zu Chancengerechtigkeit auf. Screening-Verfahren erscheinen zunächst vielversprechend, Kinder mit Sprachförderbedarf zu identifizieren und zu unterstützen. Insbesondere im Zusammenhang mit mehrsprachigem Aufwachsen laufen die geplanten Maßnahmen Gefahr, bestehende Bildungsungleichheiten zu verstärken und zu frühen Selektions- und Segregationsprozessen zu führen, deren negative Auswirkungen durch Forschung gut dokumentiert sind.
Der Vortrag verfolgt drei zentrale Ziele: Erstens wird aufgezeigt, warum eine Selektionsdiagnostik gerade für mehrsprachig aufwachsende Kinder problematisch ist und welche institutionellen
Diskriminierungsmechanismen damit verbunden sind. Zweitens werden empirisch gesicherte Ansätze für wirksame Sprachbildung vorgestellt – insbesondere Interaktionsstrategien, dialogisches Lesen
und
Translanguaging-Ansätze. Drittens werden konkrete Implikationen diskutiert: Wie gestalten wir kindfähige Bildungseinrichtungen? Welche Kompetenzen benötigen pädagogische Fachkräfte? Wie können
Kitas und Schulen gemeinsam zu gelingenden Transitionsprozessen beitragen?
Auf Basis von Forschungsergebnissen aus verschiedenen Bundesländern wird verdeutlicht, dass Chancengerechtigkeit nicht durch weitere Diagnoseverfahren oder Vorschulkurse erreicht wird, sondern durch qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit in Kitas und Schulen, verlässliche Kooperationsbeziehungen zu Familien und ein Bildungssystem, das durchgängige Sprachbildung als gemeinsame Aufgabe aller am Bildungsprozess beteiligten Akteurinnen und Akteure versteht.
1) Juliane Köbler
Vom Bilderbuch zur Bildungssprache
Kinderbücher öffnen Welten, erweitern Wissen und sind ein hervorragendes Mittel, um Bildungschancen zu erhöhen und Benachteiligung zu reduzieren. Gerade zur Stärkung sprachlicher Fähigkeiten und den Eintritt in die Bildungssprache eignet sich die gemeinsame Buchbetrachtung besonders. Darüber hinaus bieten Leseaktivitäten eine hervorragende Möglichkeit, Sprachentwicklung zu beobachten und positiv zu beeinflussen.
Anhand ausgewählter Beispiele beleuchten wir, wie Kinderbücher auf verschiedenen Ebenen wirken. Dabei geht es um Einsatzmöglichkeiten im pädagogischen Alltag und in der Zusammenarbeit mit Familien, aber auch darum, wie Fachkräfte ihr Wissen erweitern und anwenden können.
Verschiedene Kinderbücher werden darüber hinaus kritisch auf ihren inhaltlichen und ästhetischen Wert geprüft. Die Aspekte inklusiver Pädagogik und Vielfalt spielen dabei eine wichtige Rolle.
Ganz praktisch können die Teilnehmenden im Rahmen des Workshops
Kinderbücher vom Krippen- bis ins Grundschulalter entdecken, betrachten, vergleichen und auf ihre Einsatzmöglichkeiten untersuchen.
2) Prof.in Dr.in Birgit Heppt
Von der Alltagssprache zur Bildungssprache - und wie die Kita auf diesem Weg unterstützen kann
Unter dem Schlagwort der „Bildungssprache“ ist die in den Bildungsinstitutionen verwendete Sprache in den vergangenen Jahren in Bildungspraxis und Bildungsforschung zunehmend in den Fokus
gerückt. Ausschlaggebend dafür sind Befunde, die zeigen, dass bildungssprachliche Kompetenzen stärker als eher alltagssprachliche Kompetenzen zum fachlichen Kompetenzerwerb beitragen. So
benötigen Lernende bildungssprachliche
Kompetenzen, um beispielsweise Arbeitsaufträge zu verstehen oder im Unterrichtsgespräch Vermutungen zu formulieren und die eigene Meinung zu begründen.
Jedoch ist Bildungssprache nicht erst in der Schule von Bedeutung. Bereits im Elementar-bereich werden Kinder in Erzählsituationen dazu angeregt, eigene Erlebnisse in der korrekten zeitlichen
Abfolge und für andere nachvollziehbar zu schildern. Spiel- und Experimentiersituationen bieten Kindern überdies vielfältige Gelegenheiten, Phänomene und Prozesse zu beschreiben oder sich über
Beobachtungen auszutauschen – und so
handlungsbezogen und in der Interaktion mit anderen Vorläuferfähigkeiten der
Bildungssprache zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund setzen wir uns im Workshop mit den Unterschieden von Alltagssprache und Bildungssprache auseinander, lernen die Bedeutung von Bildungs-sprache für fachbezogene Lernprozesse kennen und erarbeiten Möglichkeiten, Kinder im Kitaalltag an die Bildungssprache heranzuführen.
3) Dr.in Christiane Hofbauer
"Das brennt gut, weil ist aus Holz" - spezifische Wortschatzerweiterung mit
Spielen
Alltagswortschatz (wie "Blume" oder "Baum") wird in der Kita fast automatisch
erworben. Aber wie steht es mit spezifischeren Wörtern wie "Holz", "Knospe" oder "Blüte"? Gerade für den schulischen Erfolg spielen solche eher fach-und bildungssprachlichen Wörter eine große
Rolle.
Im Workshop wird es kurz darum gehen, was der Unterschied zwischen Alltags-, Fach- sowie Bildungssprache ist und wieso ein ausdifferenzierter Wortschatz (nicht nur) wichtig für
Bildungschancen ist. Danach werden die verschiedensten Spiele vorgestellt, die sich dazu eignen, den Wortschatz von Kindern gut wahrzunehmen und ihnen (mit oder ohne Erwachsene) gezielte
Lernmöglichkeiten zur Wortschatzerweiterung und -ausdifferenzierung bieten.
Die vorgestellten Spiele eignen sich dabei insbesondere für Vorschulkinder und jüngere Hortkinder.
4) Elisabeth Krista
Translanguaging in der Kita
Kinder nutzen alle ihre Sprachen, um sich auszudrücken – eine wissenschaftlich
belegte Kompetenz. Translanguaging zeigt, wie das Integrieren aller Sprachressourcen gelingt, wie Familiensprachen einbezogen und ein inklusives Sprachumfeld geschaffen werden kann. So ermutigen
wir Kinder und stärken ihre Sprachkompetenz.
Der Workshop vermittelt ein aktuelles, wissenschaftlich fundiertes Verständnis von Mehrsprachigkeit und zeigt praxisnah, wie Translanguaging im pädagogischen Alltag umgesetzt werden kann.
Fachkräfte reflektieren ihren Alltag, erhalten konkrete Handlungsimpulse und stärken ihre Sicherheit im Umgang mit mehrsprachigen Kindern und Familien.
Aus diesem Workshop nimmst du mit:
5) Veronika Meiwald & Dr. Stephan Gühmann
Beim gemeinsamen Entdecken und Forschen auch die Entwicklung von Bildungssprache begleiten
Beim gemeinsamen Entdecken und Forschen werden nicht nur MINT- Kompetenzen
gestärkt. Im Workshop beschäftigen wir uns damit, wie Kinder mit Unterstützung der
begleitenden pädagogischen Fachkräfte bei ihren MINT-Aktivitäten bildungssprachliche Begriffe nutzen und somit sprachliche Kompetenzen gestärkt werden können.
Der Workshop wird verdeutlichen, dass MINT-Angebote ein kraftvolles Instrument der sprachlichen Bildungsarbeit sind. Wir möchten pädagogische Fachkräfte darin unterstützen, MINT- Aktivitäten bewusst und gezielt zur Förderung von Bildungssprache und zur Unterstützung aller Kinder einzusetzen.
Konkret: Wie lassen sich naturwissenschaftliche und technische Lernanlässe
gezielt nutzen, um Bildungssprache zu entwickeln? Welche Methoden der sprachsensiblen
Begleitung unterstützen Kinder mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen beim
Lernen? Die Qualität im Kontakt ist entscheidend: Welcher sprachliche Input erfolgt im Moment der Handlung oder direkt danach? Im Workshop dürfen sie auch selbst forschen und wir entwickeln
gemeinsam konkrete Transferideen für den pädagogischen Alltag.
6) Annegret Kieschnick
Chancen für alle Kinder - Sprachliche Vielfalt leben, Bildungssprache stärken
Viele Kinder in Kitas und Horten wachsen mit mehreren Sprachen auf. Diese Vielfalt bietet große Chancen – stellt pädagogische Fachkräfte und Familien aber auch vor Fragen:
Wie können pädagogische Fachkräfte Familien mit unterschiedlichen Sprachen stärken und gemeinsam mit ihnen die Sprachbildung der Kinder anregen und gestalten?
Wie können alle Kinder – unabhängig von ihrer Familiensprache – gute Chancen auf den Erwerb von Bildungssprache bekommen?
Und wie gelingt es, Familien in ihrer sprachlichen Vielfalt wertschätzend einzubeziehen?
Im Workshop „Chancen für alle Kinder – Sprachliche Vielfalt leben, Bildungssprache stärken“ setzen sich die Teilnehmenden damit auseinander, wie gelingende Zusammenarbeit mit Familien zur Sprachbildung beitragen kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie pädagogische Fachkräfte Kinder und Familien in ihrer sprachlichen Vielfalt unterstützen und sprachliche Vielfalt im pädagogische Alltag zur Ressource für alle Kinder wird.
Die Teilnehmenden
• reflektieren eigene Haltungen zu Mehrsprachigkeit, Familiensprache(n) und
Bildungssprache,
• erhalten Anregungen, wie Familiensprachen im Alltag der Kita sichtbar und
hörbar werden können,
• lernen Möglichkeiten kennen, Bildungs- und Familiensprache miteinander zu
verbinden,
• entwickeln Ideen, wie sie mit Familien über Sprachbildung im Alltag ins
Gespräch kommen,
• sammeln konkrete Praxisideen für sprachsensible und mehrsprachige
Angebote in Krippe, Kindergarten und Hort.
7) Elmar Kühn
Beats mit der Stimme – Beatbox praxisnah vermitteln
Beatbox ist ein niedrigschwelliger, materialfreier Zugang zu sprachlicher Bildung – man braucht weder Instrumente noch Vorbereitung, nur den eigenen Mund.
In diesem Workshop lernen pädagogische Fachkräfte, wie sie Beatbox gezielt nutzen können, um Stimme, Artikulation und Sprachrhythmus spielerisch zu fördern und Kinder aktiv in kommunikative Prozesse einzubeziehen.
Ausgehend von einfachen Lauten wie der „Pizzakatze“ entwickeln wir gemeinsam alltagsnahe Übungen bis hin zu kleinen Beat- und Drumset-Strukturen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Methoden, die leicht anzuleiten sind und sich direkt in den Kita- und Grundschulalltag integrieren lassen. Beatbox wird dabei nicht als musikalische Leistung verstanden, sondern als Werkzeug zur Förderung von Atemführung, Lautdifferenzierung, phonologischer Bewusstheit und Sprechfreude.
Der Workshop zeigt, wie Beatbox-Spiele Kindern helfen, Sprache über Rhythmus und Geräusche zu entdecken. Besonders Kinder, die wenig oder unsicher sprechen oder gerade erst in der deutschen Umgebungssprache ankommen, finden hier einen leichten Einstieg. Gemeinsam wird erarbeitet, wie die Übungen im Alltag eingesetzt werden können – im Morgenkreis, zwischendurch oder in Projekten. Die Methoden sind flexibel, sofort einsetzbar und kommen ohne zusätzliches Material aus.
Der Workshop richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Leitungen, Fachberatungen und weitere Akteurinnen und Akteure der frühkindlichen Bildung, die praxisnahe Impulse für eine inklusive, ressourcenorientierte Sprachbildung suchen.
8) Dr.in Agnes Groba
Sprachliche Vielfalt in der Sprachtherapie mehrsprachiger Kinder - Evidenzbasierte Methoden zur Involvierung der Familiensprachen
„Sofern eine therapeutische Einrichtung dieses Angebot ermöglichen kann, sollten beide bzw. alle Sprachen, die ein Kind mit Sprachentwicklungsstörung erwirbt, in die Therapie einbezogen werden“ (S3-Leitlinie; van Minnen et al. 2022, S. 153).
Mehrsprachige Therapeutinnen und Therapeuten, die die Familiensprache eines Kindes beherrschen, können dieser Empfehlung vergleichsweise einfach nachkommen. Doch auch für Therapeutinnen und Therapeuten, die die Familiensprache eines Kindes nicht sprechen, gibt es Möglichkeiten, sie in die Behandlung zu integrieren.
Im Workshop erhalten die Teilnehmenden einen forschungsbasierten Überblick über verschiedene Herangehensweisen, die zusätzlich zur Förderung in der Umgebungssprache auf eine Verbesserung in der Familiensprache abzielen. Hierunter fallen beispielsweise die Involvierung von Bezugspersonen, der technologiebasierte Einsatz von Übersetzungen, ein strategieorientiertes Lernen sowie die Auswahl von Zielstrukturen, die beiden Sprachen des Kindes gemeinsam sind.
Diese Methoden lernen die Teilnehmenden konkret für die Behandlung phonetisch-phonologischer, semantisch-lexikalischer, morphologisch-syntaktischer und kommunikativ-pragmatischer Fähigkeiten kennen. Ausgewählte methodische Ansätze werden vertiefend vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Gelingensbedingungen diskutiert.
Der Workshop richtet sich an Sprachtherapeutinnen und -therapeuten sowie Logopädinnen und Logopäden, die Impulse für ihre praktische Arbeit mit mehrsprachigen Kindern suchen, um sprachliche Vielfalt in der Sprachtherapie zu stärken.
Das Landeskompetenzzentrum zur sprachlichen Bildung und Förderung befindet sich in Trägerschaft des Vereins zur Förderung von Sprache und Kommunikation e. V.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
