15. Leipziger Frühjahrssymposium

Sprache & Kommunikation

27.03.2026

 

Chancen für alle!

Sprachliche Vielfalt und Bildungssprache

 

Rückblick

15. Leipziger Frühjahrssymposium 27.03.2026
15. Leipziger Frühjahrssymposium 27.03.2026

Unter dem Titel »Chancen für alle! Sprachliche Vielfalt und Bildungssprache« konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum 15. Leipziger Frühjahrssymposium in verschiedenen Workshops erfahren, erleben und erproben, wie der Erwerb der Umgangssprache und der Aufbau der Bildungssprache in Kindertageseinrichtungen aktiv gefördert, unterstützt und begleitet werden kann. 

Wir bedanken uns bei über 190 Teilnehmenden, die gemeinsam mit den Referentinnen, Referenten sowie Austellerinnen und Austellern die Räumlichkeiten der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät zum aktiven und regen Austausch genutzt haben. 

Im Rahmen des Fachtages hatten pädagogische Fachkräfte, Kita-Leitungen, Fachberater/-innen, Trägervertreter/-innen, Wissenschaftler/-innen, Mitarbeiter/-innen aus verschiedenen Ministerien und auch Fachkräfte aus der Logopädie sowie Sprachtherapie die Gelegenheit, einen Hauptvortrag hören und an zwei von acht Workshops teilnehmen. Hier konnten die Teilnehmenden aktiv Methoden und Strategien kennenlernen und ausprobieren, die sich in den pädagogischen Alltag einbauen lassen, und somit dazu beitragen, die Chancengerechtigkeit zu erhöhen.

BEGRÜßUNGEN

Prof. Dr. Christian W. Glück - Universität Leipzig & LakoS

Prof. Dr. Christian W. Glück eröffnete den Fachtag mit einer kurzen Begrüßung, die auch schon einen Ausblick auf das Thema des diesjährigen Frühjahrssymposiums gab.

VORTRAG

Prof. Dr. Timm Albers

Chancen für alle! Sprachliche Vielfalt und Bildungssprache

In diesem Jahr hielt Prof. Dr. Timm Albers den Eingangsvortrag. Ausgangspunkt für seinen Vortrag war die aktuelle bildungspolitische Diskussion um verbindliche Sprachstandserhebungen im Elementarbereich, die zentrale Fragen zu Chancengerechtigkeit aufwirft. Screening-Verfahren erscheinen zunächst vielversprechend, Kinder mit Sprachförderbedarf zu identifizieren und zu unterstützen. Insbesondere im Zusammenhang mit mehrsprachigem Aufwachsen laufen die geplanten Maßnahmen Gefahr, bestehende Bildungsungleichheiten zu verstärken und zu frühen Selektions- und Segregationsprozessen zu führen, deren negative Auswirkungen durch Forschung gut dokumentiert sind.

  

Auf Basis von Forschungsergebnissen aus verschiedenen Bundesländern wurde verdeutlicht, dass Chancengerechtigkeit nicht durch weitere Diagnoseverfahren oder Vorschulkurse erreicht wird, sondern durch qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit in Kitas und Schulen, verlässliche Kooperationsbeziehungen zu Familien und ein Bildungssystem, das durchgängige Sprachbildung als gemeinsame Aufgabe aller am Bildungsprozess beteiligten Akteurinnen und Akteure versteht.

WORKSHOPS

Workshop 1: Juliane Köbler

Vom Bilderbuch zur Bildungssprache

 


Kinderbücher öffnen Welten, erweitern Wissen und sind ein hervorragendes Mittel, um Bildungschancen zu erhöhen und Benachteiligung zu reduzieren. Gerade zur Stärkung sprachlicher Fähigkeiten und den Eintritt in die Bildungssprache eignet sich die gemeinsame Buchbetrachtung besonders. Darüber hinaus bieten Leseaktivitäten eine hervorragende Möglichkeit, Sprachentwicklung zu beobachten und positiv zu beeinflussen.

 

Anhand ausgewählter Beispiele haben die Teilnehmer/-innen erfahren, wie Kinderbücher auf verschiedenen Ebenen wirken. Dabei ging es um Einsatzmöglichkeiten im pädagogischen Alltag und in der Zusammenarbeit mit Familien, aber auch darum, wie Fachkräfte ihr Wissen erweitern und anwenden können.

 

Verschiedene Kinderbücher wurden darüber hinaus kritisch auf ihren inhaltlichen und ästhetischen Wert geprüft. Die Aspekte inklusiver Pädagogik und Vielfalt spielten dabei eine wichtige Rolle. Ganz praktisch konnten die Teilnehmenden im Rahmen des Workshops
Kinderbücher vom Krippen- bis ins Grundschulalter entdecken, betrachten, vergleichen und auf ihre Einsatzmöglichkeiten untersuchen.

Workshop 2: Prof.in Dr.in Birgit Heppt

Von der Alltagssprache zur Bildungssprache - und wie die Kita auf diesem Weg unterstützen kann

Unter dem Schlagwort der „Bildungssprache“ ist die in den Bildungsinstitutionen verwendete Sprache in den vergangenen Jahren in Bildungspraxis und Bildungsforschung zunehmend in den Fokus gerückt. Ausschlaggebend dafür sind Befunde, die zeigen, dass bildungssprachliche Kompetenzen stärker als eher alltagssprachliche Kompetenzen zum fachlichen Kompetenzerwerb beitragen. So benötigen Lernende bildungssprachliche
Kompetenzen, um beispielsweise Arbeitsaufträge zu verstehen oder im Unterrichtsgespräch Vermutungen zu formulieren und die eigene Meinung zu begründen.

 

Jedoch ist Bildungssprache nicht erst in der Schule von Bedeutung. Bereits im Elementar-bereich werden Kinder in Erzählsituationen dazu angeregt, eigene Erlebnisse in der korrekten zeitlichen Abfolge und für andere nachvollziehbar zu schildern. Spiel- und Experimentiersituationen bieten Kindern überdies vielfältige Gelegenheiten, Phänomene und Prozesse zu beschreiben oder sich über Beobachtungen auszutauschen – und so
handlungsbezogen und in der Interaktion mit anderen Vorläuferfähigkeiten der
Bildungssprache zu entwickeln.

 

Vor diesem Hintergrund setzten wir uns im Workshop mit den Unterschieden von Alltagssprache und Bildungssprache auseinander, lernten die Bedeutung von Bildungs-sprache für fachbezogene Lernprozesse kennen und erarbeiteten Möglichkeiten, Kinder im Kitaalltag an die Bildungssprache heranzuführen.

Workshop 3: Dr.in Christiane Hofbauer

"Das brennt gut, weil ist aus Holz" - spezifische Wortschatzerweiterung mit Spielen

Alltagswortschatz (wie "Blume" oder "Baum") wird in der Kita fast automatisch

erworben. Aber wie steht es mit spezifischeren Wörtern wie "Holz", "Knospe" oder "Blüte"? Gerade für den schulischen Erfolg spielen solche eher fach-und bildungssprachlichen Wörter eine große Rolle.


Im Workshop ging es kurz darum gehen, was der Unterschied zwischen Alltags-, Fach- sowie Bildungssprache ist und wieso ein ausdifferenzierter Wortschatz (nicht nur) wichtig für  Bildungschancen ist. Danach wurden die verschiedensten Spiele vorgestellt, die sich dazu eignen, den Wortschatz von Kindern gut wahrzunehmen und ihnen (mit oder ohne Erwachsene) gezielte Lernmöglichkeiten zur Wortschatzerweiterung und -ausdifferenzierung bieten.

 

Die vorgestellten Spiele eignen sich dabei insbesondere für Vorschulkinder und jüngere Hortkinder.

Workshop 4: Elisabeth Krista
Translanguaging in der Kita

Kinder nutzen alle ihre Sprachen, um sich auszudrücken – eine wissenschaftlich
belegte Kompetenz. Translanguaging zeigt, wie das Integrieren aller Sprachressourcen gelingt, wie Familiensprachen einbezogen und ein inklusives Sprachumfeld geschaffen werden kann. So ermutigen wir Kinder und stärken ihre Sprachkompetenz.


Der Workshop vermittelte ein aktuelles, wissenschaftlich fundiertes Verständnis von Mehrsprachigkeit und zeigte praxisnah, wie Translanguaging im pädagogischen Alltag umgesetzt werden kann. Fachkräfte reflektieren ihren Alltag, erhalten konkrete Handlungsimpulse und stärken ihre Sicherheit im Umgang mit mehrsprachigen Kindern und Familien.

 

Aus diesem Workshop nahmen die Teilnehmer mitt:

  • ein klares Verständnis von Translanguaging und seine Abgrenzung zur klassischen Sprachförderung,
  • Sicherheit im Umgang mit gemischten Sprachen im pädagogischen Alltag,
  • konkrete Beispiele, wie Familiensprachen ressourcenorientiert einbezogen werden können,
  • Impulse für eine inklusive, sprachsensible Haltung im Team,
  • Argumentationshilfen für die Zusammenarbeit mit Eltern.

Workshop 5: Veronika Meiwald & Dr. Stephan Gühmann
Beim gemeinsamen Entdecken und Forschen auch die Entwicklung von Bildungssprache begleiten


Beim gemeinsamen Entdecken und Forschen werden nicht nur MINT-Kompetenzen
entwickelt. Im Workshop beschäftigten sich die Teilnehmer damit, wie Kinder mit Unterstützung der begleitenden pädagogischen Fachkräfte bei ihren MINT-Aktivitäten bildungssprachliche Begriffe nutzen und somit sprachliche Kompetenzen gestärkt werden können.

 

Der Workshop verdeutlichte, dass MINT-Angebote ein kraftvolles Instrument der sprachlichen Bildungsarbeit sind. Ziel war es pädagogische Fachkräfte darin unterstützen, MINT-Aktivitäten bewusst und gezielt zur Förderung von Bildungssprache und zur Unterstützung aller Kinder einzusetzen.

 

Konkret hieß das: Wie lassen sich naturwissenschaftliche und technische Lernanlässe
gezielt nutzen, um Bildungssprache zu entwickeln? Welche Methoden der sprachsensiblen
Begleitung unterstützen Kinder mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen beim
Lernen? Die Qualität im Kontakt ist entscheidend: Welcher sprachliche Input erfolgt im Moment der Handlung oder direkt danach? Im Workshop konnten die Teilnehmer/-innen selbst zu Forscherinnen und Forschern werden und entwickelten gemeinsam konkrete Transferideen für den pädagogischen Alltag.


Workshop 6: Annegret Kieschnick

Chancen für alle Kinder - Sprachliche Vielfalt leben, Bildungssprache stärken

Viele Kinder in Kitas und Horten wachsen mit mehreren Sprachen auf. Diese Vielfalt bietet große Chancen – stellt pädagogische Fachkräfte und Familien aber auch vor Fragen:

 

Wie können pädagogische Fachkräfte Familien mit unterschiedlichen Sprachen stärken und gemeinsam mit ihnen die Sprachbildung der Kinder anregen und gestalten?

Wie können alle Kinder – unabhängig von ihrer Familiensprache – gute Chancen auf den Erwerb von Bildungssprache bekommen?

Und wie gelingt es, Familien in ihrer sprachlichen Vielfalt wertschätzend einzubeziehen?

 

Im Workshop „Chancen für alle Kinder – Sprachliche Vielfalt leben, Bildungssprache stärken“ setzten sich die Teilnehmenden damit auseinander, wie gelingende Zusammenarbeit mit Familien zur Sprachbildung beitragen kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie pädagogische Fachkräfte Kinder und Familien in ihrer sprachlichen Vielfalt unterstützen und sprachliche Vielfalt im pädagogische Alltag zur Ressource für alle Kinder wird.

 

Die Teilnehmenden
• reflektierten eigene Haltungen zu Mehrsprachigkeit, Familiensprache(n) und
Bildungssprache,
• erhielten Anregungen, wie Familiensprachen im Alltag der Kita sichtbar und
hörbar werden können,
• lernten Möglichkeiten kennen, Bildungs- und Familiensprache miteinander zu
verbinden,
• entwickelten Ideen, wie sie mit Familien über Sprachbildung im Alltag ins
Gespräch kommen,
• sammelten konkrete Praxisideen für sprachsensible und mehrsprachige
Angebote in Krippe, Kindergarten und Hort.

Workshop 7: Elmar Kühn
Beats mit der Stimme - Beatbox praxisnah vermitteln


Beatbox ist ein niedrigschwelliger, materialfreier Zugang zu sprachlicher Bildung – man braucht weder Instrumente noch Vorbereitung, nur den eigenen Mund.

In diesem Workshop lernten die pädagogischen Fachkräfte, wie sie Beatbox gezielt nutzen können, um Stimme, Artikulation und Sprachrhythmus spielerisch zu fördern und Kinder aktiv in kommunikative Prozesse einzubeziehen.

 

Ausgehend von einfachen Lauten wie der „Pizzakatze“ entwickelten wir gemeinsam alltagsnahe Übungen bis hin zu kleinen Beat- und Drumset-Strukturen. Im Mittelpunkt standen konkrete Methoden, die leicht anzuleiten sind und sich direkt in den Kita- und Grundschulalltag integrieren lassen. Beatbox wird dabei nicht als musikalische Leistung verstanden, sondern als Werkzeug zur Förderung von Atemführung, Lautdifferenzierung, phonologischer Bewusstheit und Sprechfreude.

 

Der Workshop zeigte, wie Beatbox-Spiele Kindern helfen, Sprache über Rhythmus und Geräusche zu entdecken. Besonders Kinder, die wenig oder unsicher sprechen oder gerade erst in der deutschen Umgebungssprache ankommen, finden hier einen leichten Einstieg. Gemeinsam wurde erarbeitet, wie die Übungen im Alltag eingesetzt werden können – im Morgenkreis, zwischendurch oder in Projekten. Die Methoden sind flexibel, sofort einsetzbar und kommen ohne zusätzliches Material aus.

 

Workshop 8: Dr.in Agnes Groba
Sprachliche Vielfalt in der Sprachtherapie mehrsprachiger Kinder - Evidenzbasierte Methoden zur Involvierung der Familiensprachen

„Sofern eine therapeutische Einrichtung dieses Angebot ermöglichen kann, sollten beide bzw. alle Sprachen, die ein Kind mit Sprachentwicklungsstörung erwirbt, in die Therapie einbezogen werden“ (S3-Leitlinie; van Minnen et al. 2022, S. 153).

 

Mehrsprachige Therapeutinnen und Therapeuten, die die Familiensprache eines Kindes beherrschen, können dieser Empfehlung vergleichsweise einfach nachkommen. Doch auch für Therapeutinnen und Therapeuten, die die Familiensprache eines Kindes nicht sprechen, gibt es Möglichkeiten, sie in die Behandlung zu integrieren.

 

Im Workshop erhielten die Teilnehmenden einen forschungsbasierten Überblick über verschiedene Herangehensweisen, die zusätzlich zur Förderung in der Umgebungssprache auf eine Verbesserung in der Familiensprache abzielen. Hierunter fallen beispielsweise die Involvierung von Bezugspersonen, der technologiebasierte Einsatz von Übersetzungen, ein strategieorientiertes Lernen sowie die Auswahl von Zielstrukturen, die beiden Sprachen des Kindes gemeinsam sind.

 

Diese Methoden lernten die Teilnehmenden konkret für die Behandlung phonetisch-phonologischer, semantisch-lexikalischer, morphologisch-syntaktischer und kommunikativ-pragmatischer Fähigkeiten kennen. Ausgewählte methodische Ansätze wurden vertiefend vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Gelingensbedingungen diskutiert.

AUSSTELLER

Wir bedanken uns bei allen anwesenden Ausstellerinnen und Ausstellern: Kita Dialogital, SEV Gewerkschaft, Sprachmentorinnen der Stadt Leipzig, Koordinierungsstelle des Landesprogramms alltagsintegrierte sprachliche Bildung, dem Verlag bilibri und der Stiftung Kinder forschen.

SAVE THE DATE

Wir freuen uns, Sie alle zum 16. LFS am 21.05.2027 in Leipzig begrüßen zu dürfen oder vielleicht auch schon vorher bei Fortbildungen, in Netzwerktreffen oder im gemeinsamen Austausch auf anderen Wegen.

Wir, das Team des Landeskompetenzzentrums zur sprachlichen Bildung und Förderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen (LakoS), danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.