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Infotext Robert Jurleta

zum Thema Sprache, sprachliche Bildung und MINT

Robert Jurleta ist seit 2015 Projektkoordinator und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landeskompetenzzentrum zur sprachlichen Bildung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen (LakoS). Im Zuge seiner Tätigkeiten gibt er u. a. verschiedene Fortbildungen zu den Themenbereichen der sprachlichen Bildung. Die Verknüpfung kindlicher Sprachentwicklung mit den Aspekten Literacy, Bilderbucheinsatz und das Philosophieren mit Kindern gehört dabei zu seinen Schwerpunktthemen.

Sprache und MINT

 

Sprache ist ein wichtiges Mittel zur Aneignung von Welt und Umwelt. Je weiter die kommunikativen und sprachlichen Kompetenzen entwickelt sind, desto leichter fällt es, sich zurecht zu finden, neue Informationen aufzunehmen und zu verstehen sowie in bestehendes Wissen einzubinden. Gleiches gilt für den Themenkomplex MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

 

Wir sind von Sprache ebenso umgeben wie von MINT. Um den Newsletter, den Sie gerade vor sich sehen, zu lesen und zu verstehen, benötigen Sie sprachliche Kompetenzen. Gleichzeitig „übersetzen“ die Programme zum Erstellen und Wiedergeben des Textes eine Abfolge von Zahlen in Buchstaben, Wörter und Satzzeichen. Naturwissenschaftliches Wissen, insbesondere in den Bereichen Physik und Chemie, sorgt dafür, dass Technik als Sende- und Empfangsgerät sowie Übermittlungskanal existieren und funktionieren. 

 

Unser Zeitalter, in dem Sprache und Informationen annähernd in Lichtgeschwindigkeit um den Globus rasen können, setzt voraus, dass wir auch Kindern Beobachtungen, Erfahrungen und Bildungsmomente ermöglichen, die dabei unterstützen können, sich zurecht zu finden und Dingen auf den Grund zu gehen, um sie zu verstehen.

 

Sprachliche Bildung und Dialogisches Lesen

 

Die Methoden der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung bieten die besten Chancen, Kinder in ihrer Sprachentwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Der Einsatz des handlungsbegleitenden Sprechens und der verschiedenen Formen des korrektiven Feedbacks bieten dabei wichtige Grundlagen für die Bereiche Aussprache, Wortschatz, Grammatik. Das Stellen von Fragen, das Vorlesen und Dialogische Lesen erweitern dabei das Handlungsfeld von sprachlicher Bildung und Förderung. All diese Methoden haben gemeinsam, dass die Begleitung und Unterstützung der sprachlichen Kompetenzen implizit erfolgt, ins Alltagsleben der Kinder integriert und an ihren Interessen orientiert ist.

 

So bietet insbesondere das Dialogische Lesen durch den ständigen Austausch zwischen Kind/-ern und Vorleser/-in immer wieder die Möglichkeit, Fragen zu stellen, gemeinsam Antworten zu finden und individuelle Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen. Die dialogische Interaktion gibt Kindern die Chance, an „analytischen“ Gesprächen teilzunehmen, neue Wörter kennenzulernen, ihre Bedeutung zu erschließen sowie komplexere Satzkonstruktionen zu hören.

 

Damit aber der Austausch und das gemeinsame Nachdenken im Vordergrund stehen können, müssen die Vorlesenden die gemeinsame Aufmerksamkeit herstellen, die Kinder aktiv beobachten und ihnen zuhören. Gleichzeitig bedarf das Dialogische Lesen mehr Zeit als das klassische Vorlesen und Kindern sollten über Impulsfragen dazu animiert werden, das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten sowie eigene Fragen und Antwortmöglichkeiten zu entwickeln.

 

Kinder können so dabei unterstützt werden, Rückschlüsse zu ziehen, Vermutungen und Voraussagen zu machen, Anweisungen zu folgen und Ereignisse im Buch mit eigenen Erfahrungen zu verbinden.

 

Letztlich hilft das Dialogische Lesen durch den Austausch auch dabei, Erkenntnisprozesse gemeinsam zu erleben. Dadurch lassen sich nicht nur sprachliche und kognitive Kompetenzen erweitern, sondern auch die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern kann begleitet werden.

 

Bilderbücher und MINT

 

MINT steht als Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gleichzeitig kann es im Bereich der frühkindlichen Bildung auch als „Miteinander Interessantes und Neues Thematisieren“ oder „Mit Illustrationen Neugierde Treffen“ entschlüsselt werden.

 

Da Kinder von Geburt an mit Phänomenen aus dem MINT-Bereich konfrontiert werden, ist es wichtig, diese Erfahrungen schon im Bereich der frühkindlichen Bildung aufzugreifen und zu thematisieren. Bilderbüchern können die pädagogische Arbeit hierbei maßgeblich unterstützen. Sie bieten die Möglichkeit, neue Objekte und Inhalte wahrzunehmen, unterstützen den Wissenserwerb, fördern die Orientierung und regen gleichzeitig Denk- und Verstehensprozesse an. Sie laden dazu ein, über Formen, Farben, Objekte, Tiere und Personen, Mengen, Zeiten u. v. m. zu sprechen. In Hinblick auf die sprachliche Bildung bieten sie Erwachsenen die Möglichkeit, verschiedene Formen von Sprache zu nutzen und zu vermitteln. So können während des Dialogischen Lesens Alltagssprache, Bildungssprache (grammatikalisch komplexere Sätze) und Fachsprache (z. B. Fachwortschatz bei Dinosauriern) verwendet werden. Gleichzeitig können die Bereiche Aussprache (Stegosaurus), Wortschatz und -bedeutung (Pflanzenfresser), Grammatik und Syntax unterstützt und gefördert werden.

 

Die enge Verbindung zwischen MINT und der Lebens- sowie Erfahrungswelt bietet auch mehrsprachig aufwachsenden Kindern einen guten Zugang zur neuen Umgebungssprache und den Gesprächsinhalten. Darüber hinaus sind die verwendeten Sätze i. d. R. zwar komplex, kommen aber oftmals ohne ausschmückende Adjektive aus. Zudem erleichtert die Eindeutigkeit der Abbildungen in den Bilderbüchern, die für den MINT-Bereich genutzt werden, Orientierung, Benennung und Wiedererkennen.

 

Schlussfolgerungen für die Praxis

 

Sprachliche Kompetenzen haben erheblichen Einfluss auf die Bildungsbiografie von Kindern. Je höher sprachliche Äußerungs- und Verstehens- und Verständnismöglichkeiten sind, desto wahrscheinlicher sind schulischer, beruflicher und sozialer Erfolg. Die sprachlichen Kompetenzen bilden und unterstützen den Aspekt der Scientific Literacy. Also jenen Bereich, der es erlaubt, fachliche Inhalte zu verstehen, nachzuvollziehen und letztlich zu vermitteln. Je größer die Vorkenntnisse und sprachlichen Kategoriensysteme von Kindern sind, desto leichter fällt es ihnen, neues Wissen in ihre mentalen Landkarten zu integrieren (Assimilation) bzw. diese Landkarten zu erweitern (Akkommodation). Die Aufgabe für uns Pädagoginnen und Pädagogen liegt darin, die Weltwahrnehmungsmöglichkeiten der Kinder groß, weit und bunt zu machen.

 

Dies setzt voraus, keine Angst vor MINT zu haben. Dinge, die nicht gewusst werden, können nachgeschlagen oder gesucht werden. Kindern zu zeigen, dass Wissen nicht ohne weiteres in den Kopf gerät, sondern „erarbeitet“ werden kann, ist ein weiterer wunderbarer Nebeneffekt, denn die Antworten auf fast alle Kinderfragen lassen sich auch in Bilderbüchern finden.

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LaCusBi - LandesCurriculum sprachliche Bildung

Das Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung befindet sich in Trägerschaft des Vereins zur Förderung von Sprache und Kommunikation e. V. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.