Praxistipps

... aus dem LakoS Newsletter 01/2017

Methoden zur Sprachförderung: Geschichtensäckchen

Eine Methode aus dem Bereich der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung ist das sogenannte Geschichtensäckchen. Es handelt sich hierbei um ein Material für den Einsatz in Krippe, Kita und Grundschule. Die Grundidee: Ein Säckchen (oder ein Körbchen, eine Schachtel…) wird mit Requisiten gefüllt, um mit diesen Gegenständen eine kleine oder größere Geschichte darstellend zu erzählen.

 

Denkbar als Requisiten sind z. B. Spielfiguren oder gebastelte Materialien, aber auch Korken, Wäscheklammern und andere Alltagsgegenstände. Eine Wiese kann durch ein Stück Stoff dargestellt werden, ein Blatt Papier wird zum See usw. Zu jeder Geschichte gehört außerdem ein laminiertes Kärtchen mit dem Text, das mit im Säckchen aufbewahrt wird.

 

Die Geschichtensäckchen können flexibel im Tagesablauf genutzt werden, sei es als festes Ritual beim Morgenkreis, beim Warten auf das Essen oder vor dem Mittagsschlaf. Es sollte für die Kinder gut sichtbar im Raum aufbewahrt werden, so dass sie jederzeit danach fragen können.

 

Wird eine Geschichte neu eingeführt, sollten je nach Sprachstand der Kinder zunächst alle Begriffe geklärt werden. Gerade bei Kindern, die noch am Anfang des Spracherwerbs stehen oder auch Deutsch als Zweitsprache lernen, sind Wiederholungen hilfreich: Begriffe werden immer wieder benannt und dadurch ins Gedächtnis gerufen, wiederkehrende Satzmuster helfen dabei, sich zu orientieren und alles zu verstehen. Eine Geschichte kann immer wieder neu erzählt werden und die Kinder können zunehmend partizipieren: Am Anfang erzählt und spielt die pädagogische Fachkraft, irgendwann übernehmen die Kinder das darstellende Spiel mit den Materialien und bei entsprechendem Bekanntheitsgrad der Geschichte übernehmen die Kinder auch das Erzählen. Natürlich können die Kinder einzeln oder in der Gruppe auch eigene Geschichten zu den Figuren erfinden, die dann ggf. verschriftlicht werden.

 

Dementsprechend sollte die ausgewählte Geschichte ebenfalls am Sprachstand und Alter der beteiligten Kinder orientiert sein. Je älter die Kinder, desto komplexer werden die Geschichten. Denkbar ist der Einsatz des Geschichtensäckchens schon bei einfachen Reimen, die dadurch bildlich untermalt werden, aber auch beim Lesen eines bekannten und komplexeren Märchens. Wichtig ist, dass die Geschichten an den Alltag der Kinder anknüpfen und somit einen echten Sprechanlass darstellen.


Die Arbeit mit dem Geschichtensäckchen unterstützt laut der Autorin unter anderem „die kognitive und emotionale Verarbeitung von alltäglichen Situationen und Handlungsabläufen, die allgemeine Sprachentwicklung, die Wortschatzerweiterung, die Entwicklung des Begriffsverständnisses, die richtige Aussprache, die Entwicklung basaler mathematischer Kompetenzen, die Ausprägung von Melodie- und Rhythmusbewusstsein und die Merkfähigkeit“ (Bostelmann 2009, S.13).

 

 

Quelle: 
Antje Bostelmann (2009): Geschichtensäckchen. Material- und Spielanregungen für 1- bis 4-jährige Kinder. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr

Hier finden Sie weitere Materialien, Informationen & Fortbildungen zur Alltagsintegrierten Sprachbildung:

In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) entstand die Broschüre "Sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kita". Die vorliegende Broschüre bietet Ihnen eine Sammlung an zahlreichen praktischen Ideen, Tipps und Möglichkeiten, wie die sprachliche Entwicklung von Kindern in der Kita begleitet und unterstützt werden kann.

 

Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik e. V. (dgs) können Sie die Broschüre online lesen oder gegen eine Schutzgebühr von € 2,- dort bestellen.

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